Homeoffice steigert die Produktivität

Wer im Homeoffice arbeitet, hat eine bessere Work-Life-Balance und ist produktiver. Dennoch tun sich deutsche Arbeitgeber mit solchen Modellen schwer.
Keith Frith / Fotolia Arbeitgeber fürchten, das Arbeiten in den eigenen vier Wänden fördere das süße Nichtstun. Arbeitnehmer sehen im Homeoffice hingegen eine Möglichkeit, sich unter anderem Pendelstress zu ersparen. Eine Studie zeigt, welche Vorteile Work from home noch bietet.

Wissenschaftler der US-amerikanischen Stanford-Universität haben in einer zweijährigen Studie untersucht, was das Arbeiten im Homeoffice bewirkt. Um die nötigen Daten dafür ermitteln zu können, arbeiteten die Wissenschaftler mit einer chinesischen Reiseagentur zusammen. Deren CEO zeigte sich offen für das Experiment, da der Arbeitsplatz der insgesamt 16.000 Mitarbeiter im Hauptfirmensitz zu eng wurde. Die Ergebnisse der Untersuchung haben die Forscher in dem Artikel "Does working from home work? Evidence from a chinese experiment" (PDF) zusammengefasst, der in der Zeitschrift "The Quarterly Journal of Economics" erschienen ist.

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Die positiven Seiten von "working from home"

500 Mitarbeiter erklärten sich demnach bereit, an dem Versuch teilzunehmen. Die eine Hälfte arbeitete von zuhause aus, die andere Hälfte weiterhin im Büro. Während die Mitarbeiter im Homeoffice ihre volle Arbeitszeit abarbeiteten oder sogar noch mehr leisteten, kamen die Büroarbeiter eher zu spät, verließen früher den Arbeitsplatz oder waren von der Atmosphäre und den Kollegen abgelenkt. Die Testgruppe im Homeoffice bewertete hingegen positiv, weniger abgelenkt zu werden, machte kürzere Pausen und meldete sich weniger krank.


Die Produktivität stieg um 13 Prozent, in neun Prozent der Fälle bei Mitarbeitern, die länger als nötig arbeiteten. Die Heimarbeiter zeigten eine wesentlich höhere Arbeitszufriedenheit und ihre Fluktuationsrate sank um mehr als 50 Prozent. Als die Studienteilnehmer nach Beendigung des Experiments die Wahl hatten, über den Arbeitsort selbst zu entscheiden, verdoppelte sich dadurch ihre Performance sogar.


Homeoffice, das Arbeitsmodell der Zukunft?

Aber mehr als die Hälfte der Probanden beklagte nach mehreren Monaten die zunehmende Isolation, die das Arbeiten in den eigenen vier Wänden mit sich brachte und wollte am liebsten ins Büro zurückkehren. Die Standford-Forscher empfehlen daher, das Homeoffice an ausgewählten Tagen in der Woche zu ermöglichen, es aber nicht verpflichtend einzuführen.
Obwohl in den USA die Zahl der Homeoffice-Lösungen gewachsen ist, tun sich Arbeitgeber hierzulande mit diesem flexiblen Arbeitszeitmodell noch schwer. Dennoch sind sich die Springer-Autoren Petra Barsch und Gabriele Trachsel sicher, dass es sich beim Homeoffice um ein New-Work-Modell der Zukunft handelt.


Homeoffice und Vertrauensarbeit sind die Modelle der Zukunft. Der steigende Wettbewerb fordert Kosteneffzienz und fexiblere Arbeit. Cloud-Worker, die von überall ihre Aufträge suchen und sie überall bearbeiten, nehmen zu. Mehr Mitsprache, interessante Projekte, eine gute Work-Life-Balance, Gesundheitsvorsorge und eine mitarbeiterorientierte Unternehmenskultur werden beim Werben um die besten Mitarbeiter entscheidend", heißt es im Buchkapitel "Megatrends und ihre Auswirkungen" auf Seite 109.


In einem ähnlichem Tenor äußert sich auch Markus Ley in der Zeitschrift Wirtschaftsinformatik & Management. Homeoffice-Lösungen, individuell gestaltbare Arbeitszeitmodelle und virtuelle Teams werden insbesondere von der "Generation Z" eingefordert "und machen beim Kampf um die besten Talente häufig den Unterschied aus". Ley warnt allerdings, "dass geeignete Kandidaten ein Gesamtpaket mitbringen müssen, das neben fundierten IT-Kenntnissen auch Soft Skills wie Konfliktfähigkeit, Empathie oder Selbstmanagement umfasst."

Auf dem Weg zur Arbeit 4.0

Darüber hinaus kann "work from home" nur dann realisiert werden, wenn auch die nötigen technischen Voraussetzungen gegeben sind beziehungsweise bei der Digitalisierung von Wissensarbeit nicht nur die Einführung der notwendigen Tools im Vordergrund steht, sondern Mitarbeitern auch die Zeit gegeben wird, sich über die verwendeten Technologien auszutauschen, betonen Sebastian Köffer und Nils Urbach. Dadurch werde die Nutzer-Autonomie gestärkt, meinen die Autoren und empfehlen weitere Maßnahmen (Seite 21).

Forschungsfeld

Empfohlene Maßnahmen

Kollaborationstechnologien

  • Schaffung einer Organisationskultur, die selbstverantwortlichen Umgang mit Kollaborationstechnologien fördert
  • Ermöglichung des Austauschs zwischen Mitarbeitern über die Nutzung von Kollaborationstechnologien
  • Training zu Kollaborationstechnologien für Führungskräfte und Beschäftigte innerhalb ihres spezifischen Arbeitskontexts

IT-Compliance

  • Schaffung einer sicherheitsbewussten Organisationskultur
  • Vereinfachung von Sicherheitsrichtlinien und deren Harmonisierung mit Arbeitszielen der Mitarbeiter

Mobiles Arbeiten mit IT

  • Ermöglichung des Wissensaustauschs zwischen Mitarbeitern über mobile Arbeitspraktiken
  • Förderung der experimentellen Nutzung von mobiler IT

Technostress

  • Involvierung von Nutzern in IT-Entscheidungen
  • Erhaltung von flexiblen IT-Richtlinien, so dass Nutzer selbst herausfinden, welche IT-Nutzung für sie passend ist
  • Fortbildungsmaßnahmen zur Erhöhung der digitalen Kompetenz


Quelle: Buchkapitel "Die Digitalisierung der Wissensarbeit – Unternehmen im Spagat zwischen Innovation und Kontrolle", Seite 21.

Fazit: Können Arbeitnehmer ihren Arbeitsort flexibel selbst bestimmen, verbessert das die Work-Life-Balance und steigert die Mitarbeiterzufriedenheit. Arbeitgeber sollten idealerweise an ausgewählten Tagen das Arbeiten im Homeoffice ermöglichen, dies aber nicht zur Pflicht machen. Und wer zuhause arbeiten darf, ist auf jeden Fall produktiver.

Universität Bayreuth -